Wer sich länger damit beschäftigt, wie vermögende Familien ihre Angelegenheiten organisieren, stößt schnell auf ein zunächst seltsames Muster: Die Person besitzt das Unternehmen nicht direkt. Stattdessen gehört es einer Gesellschaft. Und selbst diese Gesellschaft gehört womöglich einer weiteren Gesellschaft. Noch weiter oben kann ein Trust stehen, während der Name der Person auf keinem der Vermögenswerte auftaucht, die sie faktisch kontrolliert.
Der erste Gedanke liegt nahe: Hier soll etwas verborgen werden. Manchmal stimmt das. Doch die Struktur an sich ist völlig üblich, weitverbreitet und wird von den meisten großen Unternehmen genutzt. Meist geht es eher um Risiken und den Zeitpunkt der Besteuerung als um Geheimhaltung. Das Grundprinzip lässt sich an einem Nachmittag verstehen.
Undurchschaubar wirkt das Thema vor allem, weil es kaum jemand erklärt. Du kannst ein Wirtschaftsstudium abschließen, ohne je zu lernen, wie mehrere Eigentumsebenen praktisch zusammenspielen. Liest du danach einen Bericht über ein Geflecht aus Gesellschaften, fehlt dir der Maßstab: Ist das Routine oder ein Skandal? Diesen Unterschied erkennen zu können, lohnt sich.
Was ist eine Holdinggesellschaft?
Eine Holdinggesellschaft ist ein Unternehmen, dessen Zweck darin besteht, Anteile an anderen Unternehmen zu halten. Sie produziert nichts, verkauft nichts und bedient keine Kunden. Ihr Vermögen besteht aus Beteiligungen an anderen Gesellschaften, den sogenannten Tochtergesellschaften.
Die eigentliche Arbeit übernehmen die operativen Gesellschaften. Sie beschäftigen Mitarbeitende, schließen Verträge, halten Warenbestände und tragen die Risiken des Geschäfts. Die Holding steht darüber und hält ihre Anteile.
Das ist bereits das ganze Grundprinzip. Alles Weitere folgt aus einer einzigen Entscheidung: Eigentum und operatives Handeln voneinander zu trennen.
Die operative Gesellschaft trägt das Risiko. Die Holding hält die Werte. Befindet sich beides in derselben Gesellschaft, liegt das Vermögen genau dort, wo auch die Risiken entstehen.
Warum trennt man Eigentum und operatives Geschäft?
Vier Gründe sind besonders wichtig – und ihre Wirkung verstärkt sich gegenseitig.
Begrenzung von Risiken. Geschäftstätigkeit schafft Haftungsrisiken: Klagen, Schulden, behördliche Sanktionen oder der Unfall eines Auslieferungsfahrers. Hält dieselbe Gesellschaft neben diesen Risiken auch wertvolle Vermögenswerte, kann ein einziger schwerer Vorfall alles gefährden.
Zeitpunkt der Besteuerung. Gewinne, die von einer Tochtergesellschaft an ihre Muttergesellschaft fließen, werden anders behandelt als Ausschüttungen an eine Privatperson. In vielen Ländern fallen auf den ersten Vorgang nur geringe oder gar keine Steuern an. Dadurch verschiebt sich der Zeitpunkt der persönlichen Besteuerung, und mehr Kapital bleibt für Investitionen verfügbar.
Kontrolle. Beteiligung und Stimmrechte lassen sich gezielt voneinander trennen. So kann jemand ein Unternehmen lenken, ohne den größten Teil seines wirtschaftlichen Werts zu besitzen – oder wirtschaftlich beteiligt sein, ohne mitzuentscheiden.
Flexibilität bei Verkäufen. Ist jeder Geschäftsbereich in einer eigenen Gesellschaft organisiert, lässt sich ein einzelner Bereich durch den Verkauf der entsprechenden Anteile veräußern. Das ist klar abgegrenzt und lässt den Rest der Gruppe unberührt.
Wie funktioniert der Haftungsschutz einer Holding?
Das ist der praktisch wichtigste Punkt. Er beruht auf einem zentralen Rechtsgrundsatz: Eine Gesellschaft ist rechtlich von ihren Eigentümern getrennt.
Stell dir eine Familie mit drei Restaurants vor. Werden alle drei von einer einzigen Gesellschaft betrieben, richtet sich ein schwerwiegender Anspruch aus einem Restaurant gegen diese Gesellschaft – und sie besitzt alle drei Betriebe. Ist die Forderung hoch genug, kann alles verloren gehen, auch die beiden Restaurants, die nichts mit dem Vorfall zu tun hatten.
Nun kommt jedes Restaurant in eine eigene operative Gesellschaft, deren Anteile von einer Holding gehalten werden. Ein Anspruch aus Restaurant eins richtet sich dann gegen die erste operative Gesellschaft. Deren Vermögen ist gefährdet. Die anderen beiden Restaurants gehören rechtlich eigenständigen Gesellschaften und sind für den Anspruchsteller in der Regel nicht erreichbar.
| Eine Gesellschaft | Holdingstruktur | |
|---|---|---|
| Anspruch entsteht in Restaurant eins | Gegen die Gesellschaft, der alle drei gehören | Nur gegen die erste operative Gesellschaft |
| Restaurants zwei und drei | Gefährdet | In der Regel geschützt |
| Angesammelte liquide Mittel und Immobilien | Gefährdet, wenn sie dieselbe Gesellschaft hält | Geschützt, wenn die Muttergesellschaft sie hält |
| Verkauf von Restaurant zwei | Verkauf einzelner Vermögenswerte, langsam und aufwendig | Einfacher Verkauf der Gesellschaftsanteile |
| Schlimmster realistischer Fall | Alles verlieren | Eine operative Gesellschaft verlieren |
Dabei gibt es eine wichtige Einschränkung: Wer den Haftungsschutz als absolut darstellt, verspricht zu viel. Gerichte können unter bestimmten Voraussetzungen eine Durchgriffshaftung zulassen. Ist die Trennung nur vorgetäuscht, werden Gelder beliebig vermischt, gesellschaftsrechtliche Vorgaben missachtet, Gesellschaften bewusst nicht mit den Mitteln für absehbare Verpflichtungen ausgestattet oder wurde die Struktur gezielt zur Schädigung eines bekannten Gläubigers geschaffen, können Gerichte sie in vielen Rechtsordnungen außer Acht lassen und auf andere Ebenen durchgreifen.
Der Schutz ist also real, aber an Bedingungen geknüpft. Die Gesellschaften müssen tatsächlich getrennt geführt werden: mit eigenen Konten, ordnungsgemäßen Unterlagen, echten Beschlüssen der zuständigen Organe und sauber dokumentierten Geschäften zu marktüblichen Bedingungen. Der Papierkram ist keine bloße Bürokratie. Er ist ein wesentlicher Teil des Schutzes.
Die zeitliche Grenze, die viele übersehen. Strukturen schützen vor künftigen, nicht vorhersehbaren Ansprüchen. Vermögenswerte erst nach Entstehung eines Anspruchs oder bei klar absehbaren Forderungen in eine Holding zu verschieben, gilt meist als anfechtbare Gläubigerbenachteiligung. Die Übertragung kann rückgängig gemacht werden und zusätzliche Sanktionen auslösen. Eine Struktur muss lange vor dem Zeitpunkt bestehen, an dem du sie plötzlich gern hättest.
Wie werden Gewinne innerhalb einer Holding besteuert?
Steuerrecht hängt vom jeweiligen Land ab und ändert sich häufig. Verstehe das Folgende daher als Erklärung des Grundmechanismus, nicht als Empfehlung für deine persönliche Situation. Für jede konkrete Umsetzung brauchst du qualifizierte Beratung in deinem Land.
Viele Steuersysteme wollen vermeiden, dass derselbe Unternehmensgewinn beim Transfer zwischen Gesellschaften mehrfach besteuert wird. Eine Tochtergesellschaft erzielt einen Gewinn und zahlt darauf Körperschaftsteuer. Schüttet sie den verbleibenden Betrag als Dividende an ihre Muttergesellschaft aus, wird diese konzerninterne Dividende in vielen Ländern nur gering oder gar nicht besteuert, weil der Gewinn bereits einmal besteuert wurde.
Der entscheidende Effekt betrifft den Zeitpunkt. Gewinne können an die Holding fließen und von dort in eine andere Tochtergesellschaft, eine Immobilie oder ein neues Vorhaben investiert werden, ohne vorher die persönliche Einkommensteuer zu durchlaufen. Persönliche Steuern fallen an, wenn das Geld die Struktur verlässt und an eine Privatperson ausgezahlt wird.
Über viele Jahre kann dieser Effekt erheblich sein, weil bei jedem Schritt mehr Kapital zur Wiederanlage zur Verfügung steht. Es wurde nichts dauerhaft von der Steuer befreit. Lediglich die Reihenfolge hat sich verändert – und bei Zinseszinseffekten ist die Reihenfolge entscheidend.
Ein zweiter Mechanismus ist der Verlustausgleich. Viele Länder erlauben eine steuerliche Verrechnung innerhalb einer Unternehmensgruppe. Verluste einer Tochtergesellschaft können dann Gewinne einer anderen ausgleichen. Eine Gruppe mit einem profitablen Unternehmen und einem verlustreichen Start-up kann beide Ergebnisse miteinander verrechnen. Dadurch kann die Finanzierung eines riskanten Vorhabens innerhalb der Gruppe günstiger sein als außerhalb.
So lernst du Holdingstrukturen mit Astra Trainer
Mit Eigentumsebenen beschäftigt sich der Lernpfad Strukturen in der Welt Wirtschaft & Finanzen. In 20 Kursen erfährst du, wie Vermögende Gesellschaften, Holdings und Eigentumsvehikel übereinanderschichten – und warum sie nur selten Vermögenswerte direkt auf ihren eigenen Namen halten.
Dieses Thema erschließt sich am besten Schritt für Schritt. Jede Ebene wird erst verständlich, wenn die darunterliegende sitzt. Zuerst musst du die rechtliche Selbstständigkeit einer Gesellschaft verstehen, dann den Haftungsschutz und schließlich die steuerliche Verschiebung. Andernfalls wirkt sie schnell wie ein bloßes Schlupfloch. Eine Lektion dauert etwa fünf Minuten. Ein Guide begleitet dich durch ungewohnte Inhalte, und unter jeder Lektion gibt es einen Diskussionsbereich, in dem Lernende Strukturen aus der Praxis teilen.
Wie kontrolliert man Vermögen, ohne es direkt zu besitzen?
Weil Kontrolle und wirtschaftliches Eigentum zwei verschiedene Dinge sind – und das Gesellschaftsrecht ihre gezielte Trennung erlaubt.
Unternehmen können unterschiedliche Anteilsklassen mit unterschiedlichen Rechten ausgeben. Eine Klasse kann zehn Stimmen je Anteil, aber nur begrenzte Dividendenrechte gewähren. Eine andere kann keine Stimmrechte, dafür aber volle wirtschaftliche Rechte besitzen. Beides sind Gesellschaftsanteile, doch sie erfüllen völlig unterschiedliche Aufgaben.
Dadurch werden verschiedene Modelle möglich. Ein Gründer kann den größten Teil des wirtschaftlichen Werts seines Unternehmens verkaufen und mit einem kleinen Paket besonders stimmberechtigter Anteile trotzdem die Kontrolle behalten. Mehrere bekannte börsennotierte Technologieunternehmen nutzen solche Strukturen. Eltern können Vermögenswerte über stimmrechtslose Anteile an die nächste Generation übertragen, während sie die stimmberechtigten Anteile und damit die Entscheidungen behalten. Auch externe Investoren lassen sich aufnehmen, ohne die Leitung aus der Hand zu geben.
Kontrolle entsteht außerdem durch Rechte zur Bestellung der Leitungsorgane. Eine Holding bestimmt die Geschäftsleitung oder die Mitglieder der zuständigen Organe ihrer Tochtergesellschaften, und diese führen die Unternehmen. Kontrolle an der Spitze setzt sich so über die Besetzung von Leitungspositionen nach unten fort – selbst wenn die wirtschaftlichen Interessen auf unteren Ebenen mit anderen geteilt werden.
Kombiniert man diese Instrumente, entsteht die von außen seltsam wirkende Situation: Eine Person besitzt nur einen überschaubaren direkten wirtschaftlichen Anteil und entscheidet dennoch über die gesamte Unternehmensgruppe. Dabei muss nichts verborgen sein. Die Rechte stehen in Satzungen und Gesellschaftsverträgen. Die meisten Menschen haben lediglich nie gelernt, dass Eigentum aus einem Bündel einzelner Rechte besteht, die sich voneinander trennen lassen.
Warum besitzen Vermögende so wenig auf eigenen Namen?
Dafür gibt es mehrere Gründe. Sie sollten getrennt betrachtet werden, denn ihre Bedeutung unterscheidet sich stark.
Haftung – der wichtigste Grund. Direktes persönliches Eigentum kann persönliche Risiken schaffen. Bei Eigentum über eine Gesellschaft ist dagegen die Gesellschaft die rechtliche Eigentümerin und Vertragspartnerin. Nach demselben Prinzip gründen auch kleine Unternehmen eine Kapitalgesellschaft.
Privatsphäre und persönliche Sicherheit. Ist öffentlich sichtbar, wer wertvolle Vermögenswerte besitzt, zieht das Aufmerksamkeit auf sich – mitunter unerwünschte oder sogar gefährliche. Gesellschaftsstrukturen machen die Verbindung zwischen einer Person und einem Vermögenswert weniger sichtbar.
Nachfolge. Vermögenswerte einer Gesellschaft müssen nach dem Tod einer Person nicht einzeln auf neue Eigentümer umgeschrieben werden. Stattdessen werden die Gesellschaftsanteile übertragen oder ein Trust hält das Vermögen weiter. Das kann Verzögerungen in Nachlassverfahren und damit verbundene öffentliche Offenlegungen vermeiden.
Einfachere Verwaltung. Wer zehn Immobilien persönlich hält, muss bei jeder Transaktion zehn einzelne Eigentumsverhältnisse berücksichtigen. Hält eine Gesellschaft die Immobilien, handelt sie als einheitliche Eigentümerin.
Dann gibt es noch den Grund, der die meiste Aufmerksamkeit erhält: Verschleierung. Mehrstufige Gesellschaften in verschiedenen Ländern können verbergen, wer letztlich profitiert. Das kann dazu genutzt werden, Vermögen vor Gläubigern, Steuerbehörden, Ehepartnern in Scheidungsverfahren oder der Öffentlichkeit zu verbergen, obwohl eine Offenlegungspflicht besteht.
Dieser letzte Punkt sollte nicht kleingeredet werden. Dieselben Merkmale, die legitimen Schutz ermöglichen, schaffen auch Intransparenz. Weil diese Intransparenz häufig missbraucht wurde, haben Staaten weltweit regulatorisch reagiert. Transparenzregister sollen die natürlichen Personen offenlegen, die eine Gesellschaft letztlich besitzen oder kontrollieren. Sie existieren gerade deshalb, weil die Grenze zwischen Privatsphäre und Verschleierung real ist und systematisch überschritten wurde. Wer solche Strukturen verstehen will, muss sowohl ihre legitimen Zwecke als auch die Gründe für Offenlegungspflichten kennen.
Wie sieht eine typische Holdingstruktur aus?
Ein häufiges, vereinfachtes Modell sieht so aus:
An der Spitze steht ein Trust oder eine persönliche Holdinggesellschaft, häufig mit Familienmitgliedern als Begünstigten. Darunter befindet sich eine Hauptholding, der die Unternehmensgruppe gehört. Es folgen mehrere operative Gesellschaften, jeweils eine pro Geschäftsbereich und mit eigenem wirtschaftlichem Risiko. Daneben kann eine Immobiliengesellschaft stehen, die Gebäude hält und sie zu marktüblichen Konditionen an die operativen Gesellschaften vermietet. Manchmal gibt es außerdem eine Gesellschaft für geistiges Eigentum, die Markenrechte hält und an die operativen Unternehmen lizenziert.
Die Logik dahinter: Das Risiko bleibt in den operativen Gesellschaften, in denen das Geschäft stattfindet. Wertvolle Vermögensgegenstände liegen dagegen bei der Immobilien- oder Rechtegesellschaft sowie bei der Muttergesellschaft, die nicht operativ tätig sind. Scheitert eine operative Gesellschaft, verliert die Gruppe diesen Geschäftsbetrieb – aber nicht die Gebäude oder die Marke.
Miet- und Lizenzverträge zwischen den Gesellschaften sind kein bloßes Beiwerk. Über sie können Werte rechtmäßig nach oben fließen, allerdings nur zu echten marktüblichen Bedingungen. Einer Tochtergesellschaft eine völlig überhöhte Lizenzgebühr zu berechnen, um ihr den Gewinn zu entziehen, ist genau die Art von Vorgehen, die eine Prüfung der Verrechnungspreise auslöst.
Eine Holdingstruktur selbst zeichnen und verstehen
Fünf Gesellschaftstypen, zwei Arten von Anteilsrechten, ein Haftungsschutz mit klaren Bedingungen und ein Steuermechanismus, bei dem es um den Zeitpunkt statt um eine Befreiung geht. Ob du das Prinzip verstanden hast, zeigt sich daran, ob du die Struktur skizzieren und den Zweck jedes Kastens erklären kannst.
Genau dafür gibt es die Prüfungen in der Welt Wirtschaft & Finanzen. Nach jedem Thema folgt ein Quiz, und jeder Kurs endet mit einer Abschlussprüfung aus zehn Fragen. Die tägliche Verbindungsrunde und das 10x10-Kreuzworträtsel basieren auf den Lektionen dieser Welt. Begriffe wie Treuhänder, Errichter, Protektor und Begünstigter begegnen dir deshalb täglich in neuen Übungen. Bestehst du die Abschlussprüfung, erhältst du ein verifiziertes Zertifikat mit deinem Namen.
Der Lernpfad Strukturen wird durch Trusts ergänzt: 26 Kurse darüber, wie sich formales Eigentum und Kontrolle voneinander trennen lassen. Das ist meist die Ebene, die direkt über den hier beschriebenen Strukturen liegt.
Welche Kosten und Grenzen hat eine Holding?
Holdingstrukturen sind nicht kostenlos. Unterhalb einer bestimmten Größenordnung kosten sie mehr, als sie einbringen.
Für jede Gesellschaft fallen Gründungs- und jährliche Meldegebühren, eine eigene Buchführung und ein eigener Jahresabschluss an – oft auch eine eigene Steuererklärung. Hinzu kommen Beratungskosten für eine korrekte Gestaltung. Eine Gruppe aus fünf Gesellschaften kann jedes Jahr fünf Abschlüsse und fünf Einreichungen erfordern. Auch eine fachgerechte Einrichtung ist nicht billig.
Neben den Kosten entsteht Verwaltungsaufwand. Geschäfte zwischen den Gesellschaften müssen dokumentiert, Sitzungen protokolliert und Bankkonten strikt getrennt geführt werden. Wer das vernachlässigt, bezahlt für eine Struktur und untergräbt zugleich genau jene Trennung, die ihren Wert ausmacht. Schlechter geht es kaum.
Hinzu kommt die behördliche Prüfung. Grenzüberschreitende Strukturen ziehen zu Recht die Aufmerksamkeit der Steuerbehörden auf sich. Gestaltungen ohne echten wirtschaftlichen Zweck können in vielen Ländern aufgrund allgemeiner Regeln gegen Steuervermeidung beanstandet werden.
Außerdem besteht ein Komplexitätsrisiko. Verschachtelte Strukturen lassen sich schwerer auflösen und schwieriger Banken oder Käufern erklären. Auch für eine Familie werden sie problematisch, wenn die Person, die sie entworfen hat, nicht mehr da ist. Komplexität verursacht laufende Kosten, die bei der Einrichtung leicht unterschätzt werden.
Lohnt sich eine Holding nur für sehr Vermögende?
Nein – und genau das übersehen viele.
Der Mechanismus funktioniert in jeder Größenordnung gleich. Wer statt eines Einzelunternehmens eine Kapitalgesellschaft gründet, nutzt bereits die rechtliche Selbstständigkeit der Gesellschaft zur Begrenzung von Risiken. Wer zwei Mietobjekte in zwei getrennten Gesellschaften hält, verwendet dasselbe Grundprinzip wie ein Family Office mit fünfzig Gesellschaften. Der Unterschied liegt in der Zahl der Ebenen, nicht im Prinzip.
Der wesentliche Unterschied sind die Kosten. Länderübergreifende Strukturen mit spezialisierten Beratern lohnen sich erst bei Vermögenswerten, die ihre Gebühren rechtfertigen. Deshalb konzentriert sich anspruchsvolle Gestaltung bei Menschen, die bereits viel besitzen. Das ist ein echter Vorteil, der sich weiter verstärkt – und darüber kann man zu Recht diskutieren.
Das Wissen selbst ist jedoch nicht knapp. Die hier beschriebenen Konzepte gehören zum normalen Gesellschaftsrecht, werden in Fachkursen vermittelt und stehen in öffentlich zugänglichen Gesetzen. Selten ist nur jemand bereit, sie außerhalb einer Berufsausbildung verständlich zu erklären. Deshalb wirkt eine für Gesellschaftsrechtler alltägliche Struktur auf alle anderen wie ein exotisches Geheimnis.
Was du über Holdinggesellschaften wissen solltest
Eine Holding besitzt Beteiligungen, statt selbst operativ tätig zu sein. Aus dieser einen Trennung ergeben sich alle weiteren Effekte.
Der Haftungsschutz ist real, aber an Bedingungen geknüpft. Die Trennung muss in der Praxis konsequent eingehalten werden. Außerdem schützt sie vor künftigen Ansprüchen, nicht vor Forderungen, die bereits entstanden oder absehbar sind.
Der steuerliche Effekt betrifft den Zeitpunkt. Gewinne, die vor der persönlichen Besteuerung reinvestiert werden, können sich auf einer größeren Kapitalbasis vermehren. Es wird nichts dauerhaft befreit – nur die Reihenfolge ändert sich.
Kontrolle und wirtschaftliches Eigentum lassen sich über Anteilsklassen, Stimmrechte und Bestellungsrechte gezielt trennen. Deshalb fallen wirtschaftliche Beteiligung und Entscheidungsmacht so häufig auseinander.
Solche Strukturen sind alltäglich. Problematisch werden sie, wenn wirtschaftlich Berechtigte vor Personen oder Behörden verborgen werden, die Anspruch auf diese Information haben. Entscheidend ist also der Einsatz des Instruments, nicht das Instrument selbst.
Dieser Artikel ist weder Rechts- noch Steuerberatung. Du brauchst aber auch keinen fachlichen Hintergrund, um das Prinzip zu verstehen. Für jede konkrete Umsetzung solltest du qualifizierte Beratung in deinem Land einholen. Der Aufbau solcher Strukturen ist nachvollziehbar – und erklären zu können, wofür jeder einzelne Baustein da ist, gehört zu den nützlichen Fähigkeiten, die fast niemand vermittelt bekommt.
Was ist der Unterschied zwischen Holding und Muttergesellschaft?
Die Begriffe überschneiden sich stark. Eine Muttergesellschaft ist jedes Unternehmen, das ein anderes kontrolliert – auch wenn es selbst operativ tätig ist. Mit Holdinggesellschaft ist meist eine Muttergesellschaft gemeint, deren Haupt- oder alleiniger Zweck im Halten von Unternehmensanteilen besteht und die kein eigenes operatives Geschäft betreibt.
Kann eine Holding nur einer Person gehören?
Ja. Holdinggesellschaften mit nur einem Gesellschafter sind üblich, auch bei Personen mit wenigen Mietobjekten oder zwei kleinen Unternehmen. Das Modell funktioniert im kleinen Maßstab genauso wie bei großen Unternehmensgruppen.
Kann man mit einer Holding Steuern sparen?
Eine Holding verändert meist eher den Zeitpunkt der Besteuerung als die grundsätzliche Steuerpflicht. Die operative Tochtergesellschaft zahlt in der Regel Körperschaftsteuer auf ihre Gewinne. Persönliche Steuern entstehen, wenn Geld aus der Struktur an eine Privatperson fließt. Konzerninterne Dividenden werden häufig nur gering besteuert, damit derselbe Gewinn nicht doppelt belastet wird. Das beeinflusst den Zeitpunkt und damit die Möglichkeiten zur Wiederanlage.
Ist eine Holding dasselbe wie eine Offshore-Gesellschaft?
Nein. „Holding“ beschreibt die Funktion einer Gesellschaft. Meist wird sie im selben Land gegründet wie die Unternehmen, deren Anteile sie hält. „Offshore“ bezieht sich dagegen auf den Sitz beziehungsweise die Rechtsordnung. Manche Strukturen sind beides, doch die meisten Holdinggesellschaften sind vollständig im Inland angesiedelt.
Wo kann ich Holdingstrukturen Schritt für Schritt lernen?
Der Lernpfad Strukturen in der Welt Wirtschaft & Finanzen von Astra Trainer umfasst 20 Kurse genau zu diesem Thema. Der Lernpfad Trusts ergänzt weitere 26 Kurse über die darüberliegende Ebene. Eine Lektion dauert etwa fünf Minuten, und für die erste brauchst du keine Karte. Du kannst dir hier die Inhalte dieser Welt ansehen.
