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Business & Finanzen

Wie schaffen Banken Geld?

Aleksandr Mikhailov
Founder, Astra Trainer
Aktualisiert
14 Min. Lesezeit

Du gehst zur Bank und zahlst $100 in bar ein. Die meisten Menschen haben eine ungefähre Vorstellung davon, was dann passiert: Das Geld wandert in einen Tresor und bleibt dort, bis du es wieder abhebst. Einen Teil davon verleiht die Bank vielleicht zwischenzeitlich an jemand anderen – deshalb kann sie dir ein wenig Zinsen zahlen.

Dieses Bild ist auf eine ganz bestimmte und interessante Weise falsch. Nicht nur etwas ungenau und auch keine Vereinfachung, die im Großen und Ganzen stimmt. Es stellt sowohl die Richtung der Geldbewegung als auch die eigentliche Herkunft des meisten Geldes falsch dar.

Die korrekte Erklärung ist ungewöhnlicher. Sobald du sie verstanden hast, liest du Wirtschaftsnachrichten mit anderen Augen. Plötzlich wird klarer, was eine Ankündigung der Zentralbank bedeutet, was bei einer Kreditklemme passiert und warum der Satz „Die Banken vergeben keine Kredite“ etwas über die Geldmenge aussagt – nicht über schlechten Kundenservice.

Was passiert, wenn du $100 bei der Bank einzahlst?

Aus buchhalterischer Sicht geschehen im selben Moment zwei Dinge – und zwar nicht die beiden, die die meisten Menschen erwarten.

Die Bank erhält dein Bargeld. In ihrer Bilanz wird es zum Vermögenswert, denn die Bank besitzt nun diese Scheine. Gleichzeitig schreibt sie deinem Konto ein Guthaben gut. Dieses Guthaben ist für die Bank eine Verbindlichkeit, weil sie dir die $100 auf Verlangen auszahlen muss.

Die $100 auf deinem Konto liegen also nicht in einem Kästchen mit deinem Namen. Sie sind ein rechtlicher Anspruch gegenüber der Bank, der als Zahl verbucht wird. Die Bank schuldet dir Geld. Im wörtlichen Sinne bist du damit einer ihrer Gläubiger.

Dein Kontostand ist nicht das Geld, das die Bank für dich verwahrt. Er zeigt, wie viel Geld die Bank dir schuldet.

Dieser Unterschied klingt kleinlich – bis er wichtig wird. Genau deshalb gibt es die Einlagensicherung. Würde dein Guthaben als Bargeld in einem Tresorfach mit deinem Namen liegen, wäre eine Bankenpleite zwar lästig, aber kaum riskant: Du würdest einfach dein Fach leeren. Tatsächlich ist dein Guthaben jedoch ein Anspruch gegenüber einem Institut. Scheitert dieses Institut, könnte der Anspruch unerfüllt bleiben. Die Einlagensicherung soll dafür sorgen, dass er trotzdem bedient wird.

Damit erklärt sich auch ein Ausdruck, den du vielleicht schon gehört hast, ohne ihn genauer zu hinterfragen: Geld existiert überwiegend als Bilanzposten. Nicht als Münzen im Tresor oder Scheine in einer Schublade, sondern als Zahl in einem Buchungssystem, der an anderer Stelle ein entsprechender Gegenposten gegenübersteht.

Verleihen Banken deine Einlagen weiter?

Nein. Dieser Teil überrascht viele Menschen – und es handelt sich dabei keineswegs um eine Außenseitermeinung.

2014 veröffentlichte die Bank of England in ihrem Quarterly Bulletin den Beitrag „Geldschöpfung in der modernen Wirtschaft“. Darin erklärte sie ausdrücklich, dass die verbreitete Vorstellung von Banken als Vermittlern, die Einlagen annehmen und anschließend weiterverleihen, die tatsächliche Geldschöpfung nicht beschreibt. Für ein Zentralbankdokument ist der Text ungewöhnlich direkt: In Wirklichkeit läuft es umgekehrt als in der üblichen Lehrbucherklärung. Kredite schaffen Einlagen – nicht Einlagen die Grundlage für Kredite.

Lies das noch einmal, denn auf die Reihenfolge kommt es an. Eine Bank braucht deine $100 nicht, um einen Kredit über $100 zu vergeben. Sie vergibt den Kredit – und durch diese Buchung entsteht ein neues Guthaben.

Was passiert bei einem Bankkredit in der Bilanz?

Nehmen wir an, eine Bank bewilligt eine Hypothek über $200,000. Rein technisch passiert Folgendes:

Sie verbucht $200,000 als Vermögenswert, weil der Kreditnehmer ihr nun diesen Betrag schuldet. Aus Sicht der Bank ist ein Kredit ein Vermögenswert: ein zukünftiger Strom von Rückzahlungen.

Gleichzeitig verbucht sie $200,000 als Verbindlichkeit, indem sie dem Konto des Kreditnehmers $200,000 gutschreibt, über die er nun verfügen kann.

Beide Posten entstehen gleichzeitig. Die Bilanz bleibt ausgeglichen – genau darin liegt der entscheidende Mechanismus. Die $200,000 auf dem Konto des Kreditnehmers wurden nirgendwoher überwiesen. Sie stammen weder von einem Sparer noch aus einem Tresor. Sie wurden als Gegenposten zur Schuld durch eine Buchung geschaffen.

VorgangAktiva der BankPassiva der BankGeldmenge
Du zahlst $100 in bar ein+$100 Bargeld+$100 dein GuthabenUnverändert: Bargeld wurde zum Bankguthaben
Die Bank vergibt einen Kredit über $200,000+$200,000 Forderung aus dem Kredit+$200,000 Guthaben des Kreditnehmers+$200,000, neu geschaffen
Der Kreditnehmer zahlt $200,000 zurück-$200,000 Kreditforderung-$200,000 Guthaben-$200,000, vernichtet

Der überwiegende Teil des Geldes in einer modernen Volkswirtschaft ist auf diese Weise entstanden. Scheine und Münzen machen nur einen kleinen Anteil aus. Der Rest besteht aus Guthaben bei Geschäftsbanken – also gewissermaßen aus dem bilanziellen Schatten noch nicht vollständig getilgter Kredite.

So lernst du Geldschöpfung bei Astra Trainer

Genau dieser Mechanismus wird in Astra Trainer in der Lektion „Giralgeldschöpfung“ erklärt. Sie gehört zum Lernpfad Geldsysteme, einem von fünf Pfaden in der Welt „Wirtschaft & Finanzen“. Die Lektion dauert etwa fünf Minuten, verwendet verständliche Sprache statt komplizierter Bilanznotation und führt dich Schritt für Schritt durch ungewohnte Konzepte. Der Pfad „Geldsysteme“ umfasst zwanzig Kurse: von der Entstehung des Geldes über die Geldschöpfung durch Kredite bis zu den Entscheidungen der Federal Reserve.

Unter jeder Lektion gibt es eine Diskussion – und gerade bei diesem Thema ist sie besonders hilfreich. Fast alle beginnen mit dem Bild vom Tresor im Kopf. Zu sehen, wie andere dieselbe Vorstellung hinterfragen und korrigieren, sorgt oft dafür, dass das neue Wissen wirklich hängen bleibt.

Was begrenzt die Geldschöpfung der Banken?

Das ist die richtige Frage. Die ehrliche Antwort lautet: Es gibt mehrere Grenzen – aber keine davon ist ein Bargeldstapel im Keller.

Eigenkapitalanforderungen

Eine Bank muss ihre Vermögenswerte mit Eigenkapital unterlegen, und Kredite zählen zu diesen Vermögenswerten. Gemeint sind die eigenen Mittel der Bank, insbesondere das Kapital der Anteilseigner und einbehaltene Gewinne. Sie dienen als Puffer für mögliche Verluste. Je mehr Kredite eine Bank vergibt, desto mehr Eigenkapital benötigt sie. Das ist eine echte, verbindliche Grenze – und der Grund, warum Aufsichtsbehörden den Eigenkapitalquoten so viel Aufmerksamkeit schenken.

Refinanzierung und Zahlungsabwicklung

Der Kreditnehmer gibt das neu geschaffene Guthaben meist schnell aus – häufig landet das Geld bei einer anderen Bank. Dann muss die erste Bank die Zahlung mit der zweiten Bank über Zentralbankreserven verrechnen. Eine Bank kann zwar durch Kreditvergabe ein Guthaben schaffen, aber nicht verhindern, dass dieses Guthaben anschließend zu einer anderen Bank abfließt. Dafür benötigt sie Reserven, deren Beschaffung Geld kostet. Diese Kosten begrenzen die Kreditvergabe.

Rentabilität und Kreditrisiko

Ein Kredit lohnt sich nur, wenn er voraussichtlich zurückgezahlt wird und sein Zinsertrag über den Refinanzierungskosten der Bank liegt. Kredite an Menschen, die nicht zurückzahlen können, schaffen keinen Wohlstand, sondern Verluste. Banken sind daher darauf angewiesen, dass genügend Menschen sowohl kreditwürdig als auch bereit sind, einen Kredit aufzunehmen.

Geldpolitik

Zentralbanken beeinflussen den Preis von Reserven. Das wirkt sich wiederum auf die Zinsen aus, die Geschäftsbanken verlangen. Steigt dieser Preis, werden zusätzliche Kredite weniger attraktiv. Genau hier setzt die Geldpolitik an: Sie verändert Anreize, statt eine feste Geldmenge zuzuteilen.

Ein häufiges Missverständnis: Der Satz „Banken schaffen Geld aus dem Nichts“ wird oft so verwendet, als bekämen Banken dadurch etwas geschenkt. Das stimmt nicht. Jedem neu geschaffenen Guthaben steht eine ebenso hohe neue Verbindlichkeit gegenüber. Die Bank ist nicht plötzlich um $200,000 reicher. Sie erhält eine Forderung gegenüber dem Kreditnehmer und zugleich eine Verpflichtung gegenüber dem Kontoinhaber. Ihr Ertrag entsteht aus der Differenz zwischen Kreditzins und Refinanzierungskosten – während sie das Risiko eines Kreditausfalls trägt. Geldschöpfung ist nicht dasselbe wie Gewinn.

Was ist der Geldmultiplikator – und stimmt das Modell?

Der Geldmultiplikator ist das Modell, das die meisten Menschen gelernt haben – sofern ihnen überhaupt etwas über Geldschöpfung beigebracht wurde. Es funktioniert angeblich so: Eine Bank muss einen Teil der Einlagen als Reserve halten, zum Beispiel zehn Prozent. Die übrigen neunzig Prozent verleiht sie. Dieses Geld wird bei einer anderen Bank eingezahlt, die wiederum zehn Prozent zurückbehält und den Rest verleiht. Durch die Wiederholung kann eine ursprüngliche Einlage ein berechenbares Vielfaches an Krediten ermöglichen.

Das ist eine saubere, leicht zu zeichnende Geschichte. Sie behandelt Reserven als entscheidende Begrenzung und unterstellt, dass Zentralbanken die Kreditvergabe über die verfügbare Reservemenge steuern.

Umstritten ist, ob dieses Modell die Wirklichkeit beschreibt. Die Bank of England argumentierte 2014, dass die Ursache-Wirkungs-Beziehung genau andersherum verläuft. Banken warten nicht auf Reserven, bevor sie Kredite vergeben. Sie vergeben Kredite an rentable, kreditwürdige Kunden und beschaffen anschließend die Reserven, die sie für die Zahlungsabwicklung benötigen. Die Reserven folgen der Kreditvergabe, statt sie im Voraus zu begrenzen.

Mehrere Beobachtungen stützen diese Sichtweise. In vielen Ländern gibt es überhaupt keine Mindestreservepflicht, darunter Kanada und das Vereinigte Königreich sowie seit März 2020 die Vereinigten Staaten. Trotzdem haben die Banken dort nicht unbegrenzt Kredite vergeben. Wären Reserven die entscheidende Grenze, hätte die Abschaffung der Vorgabe diese Grenze beseitigen müssen. Das geschah nicht, weil tatsächlich Eigenkapital, Refinanzierungskosten und Kreditrisiken bremsend wirken.

Auch die umfangreichen Wertpapierkäufe nach 2008 sprechen dafür. Zentralbanken versorgten das Bankensystem mit weit mehr Reserven, als das Multiplikatormodell erwarten ließ. Dennoch stieg die Kreditvergabe nicht um das vorhergesagte Vielfache. Die Banken hielten die Reserven, weil ein Reservemangel nie die entscheidende Einschränkung gewesen war.

Beim Stand der Debatte lohnt sich eine ehrliche Einordnung. Der Geldmultiplikator wird weiterhin gelehrt, und einige Ökonomen verteidigen ihn als brauchbare Näherung für bestimmte geldpolitische Systeme – nicht als wörtliche Beschreibung. Die operative Erklärung, also das, was eine Bank bei der Verbuchung eines Kredits tatsächlich tut, wird jedoch von den Zentralbanken selbst veröffentlicht. Weichen die Erklärungen aus der Praxis von denen im Lehrbuch ab, sollte man beide kennen – und darauf achten, welche die Praktiker verwenden.

Welche Rolle spielt Zentralbankgeld?

Im Finanzsystem bewegen sich zwei verschiedene Arten von Geld. Werden sie miteinander verwechselt, entsteht ein großer Teil der üblichen Missverständnisse.

Geschäftsbankengeld ist das Geld, das du und ich im Alltag verwenden: unsere Bankguthaben. Wie oben beschrieben, entsteht es vor allem bei der Kreditvergabe durch Geschäftsbanken. Es macht den größten Teil der Geldmenge aus.

Zentralbankgeld existiert in zwei Formen: als Bargeld und als Reserven, die Geschäftsbanken bei der Zentralbank halten. Privatpersonen können keine Zentralbankreserven besitzen. Banken benötigen sie, um Zahlungen untereinander abzuwickeln. Geschaffen werden sie von der Zentralbank.

Beide Geldarten bewegen sich auf getrennten Ebenen. Überweist du Geld an jemanden bei einer anderen Bank, sinkt dein Guthaben und das Guthaben des Empfängers steigt. Das geschieht auf der Ebene des Geschäftsbankengeldes. Darunter gleichen die beteiligten Banken die Zahlung mit Zentralbankreserven aus. Die meisten Menschen sehen diese zweite Ebene nie – deshalb kann leicht der Eindruck entstehen, sie existiere gar nicht.

So bleibt das Wissen wirklich hängen

Zwei Geldarten, vier Bilanzposten und eine laufende wirtschaftswissenschaftliche Debatte – das behält kaum jemand nach einmaligem Lesen. Genau für dieses Problem wurde die Welt „Wirtschaft & Finanzen“ entwickelt.

Auf jedes Thema folgen Quizfragen, und jeder Kurs endet mit einer Abschlussprüfung aus zehn Fragen. Die tägliche Connections-Runde und das 10x10-Kreuzworträtsel werden aus den Lektionen dieser Welt erstellt. Begriffe, die dir gerade begegnet sind – etwa Hauptbuch, Liquidität, Angebot und Nachfrage – tauchen dadurch in Übungen wieder auf. Jeden Tag gibt es eine neue Runde.

Du kannst auch gemeinsam mit anderen lernen. Ein Circle ist eine kleine Gruppe mit einem gemeinsamen Wochenziel und einer Truhe, die sich erst öffnet, wenn alle das Ziel zusammen erreichen. Dazu kommen Live-Runden, in denen alle gleichzeitig dieselbe Lektion absolvieren. Viele Menschen geben nur ungern zu, dass sie Finanzen verwirrend finden. Wenn zwölf Personen gemeinsam die Mechanismen des Teilreservesystems durcharbeiten, verschwindet ein großer Teil dieser Unsicherheit.

Wie wird Geld wieder vernichtet?

Durch die Tilgung von Krediten. Das ist die spiegelbildliche Hälfte der Geschichte – und sie wird fast nie erwähnt.

Zahlt ein Kreditnehmer seinen Kredit zurück, verschwindet das dafür verwendete Guthaben. Gleichzeitig verschwindet die Kreditforderung aus der Bankbilanz. Beide Seiten der ursprünglichen Geldschöpfung werden rückgängig gemacht. Das Geld wird nicht an jemand anderen übertragen, sondern hört auf zu existieren.

Das hat weitreichende Folgen. Werden in einer Volkswirtschaft Schulden schneller zurückgezahlt, als neue aufgenommen werden, schrumpft die Geldmenge. Nicht weil jemand bewusst beschlossen hätte, sie zu verringern, sondern als rechnerisches Ergebnis von Millionen einzelner Tilgungen, die die neue Kreditvergabe übersteigen. Genau das geschieht bei einer Kreditkontraktion. Deshalb beobachten Zentralbanken die Nettokreditvergabe und nicht nur die gesamte Summe neuer Kredite.

Dadurch erhält auch ein vertrauter politischer Satz eine neue Bedeutung. „Die Banken vergeben keine Kredite“ klingt meist wie Kritik am Verhalten der Institute. Technisch bedeutet er jedoch, dass die wichtigste Quelle neuen Geldes in der Volkswirtschaft langsamer fließt. Das ist eine andere – und ernstere – Aussage.

Was du dir merken solltest

Drei Erkenntnisse sind besonders wichtig.

Erstens: Ein Bankguthaben ist ein Anspruch, kein Behälter. Sobald du das verstanden hast, wirken Einlagensicherung, Bankansturm und Bankenpleite nicht mehr abstrakt, sondern wie logische Folgen einer konkreten rechtlichen Beziehung.

Zweitens: Kredite schaffen Einlagen – nicht Einlagen die Kredite. Die Reihenfolge ist entscheidend. Sie macht den Unterschied zwischen einem System, das eine feste Geldmenge verteilt, und einem System, das sich mit der Kreditnachfrage ausdehnt und zusammenzieht.

Drittens: Es gibt echte Grenzen, aber es sind nicht die Grenzen aus dem üblichen Lehrbuchdiagramm. Eigenkapital, Refinanzierungskosten, Kreditrisiken und Regulierung übernehmen die Rolle, die dort den Reserven zugeschrieben wird. Wer behauptet, Banken seien völlig unbegrenzt, liegt genauso falsch wie das Lehrbuch – nur in der entgegengesetzten Richtung.

Für all das brauchst du weder Finanzwissen noch handelt es sich um Anlageberatung. Es ist schlicht die technische Infrastruktur des Geldsystems. Aber genau diese Infrastruktur steckt hinter jeder Schlagzeile über Zinsen, Kredite und Zentralbanken. Solche Nachrichten ohne dieses Wissen zu verfolgen, ist wie ein Fußballspiel anzusehen, ohne die Abseitsregel zu kennen.

Häufig gestellte Fragen
Schaffen Banken wirklich Geld aus dem Nichts?

Sie schaffen durch passende Buchungen neue Bankguthaben. In diesem Sinne ja, denn das Guthaben existierte vorher nicht. Jedem neuen Guthaben steht jedoch eine gleich hohe neue Verbindlichkeit gegenüber. Die Bank gewinnt durch die Geldschöpfung also kein Nettovermögen. Sie verdient an der Differenz zwischen Kreditzins und Refinanzierungskosten und trägt zugleich das Ausfallrisiko.

Warum wollen Banken meine Einlagen, wenn sie diese nicht verleihen?

Einlagen sind eine vergleichsweise günstige und stabile Finanzierungsquelle. Banken benötigen sie für die Zahlungsabwicklung und zur Einhaltung regulatorischer Liquiditätsvorgaben. Eine Bank mit vielen Einlagen von Privatkunden zahlt meist weniger für ihre Refinanzierung als eine Bank, die stark vom Kapitalmarkt abhängt. Einlagen haben zu wollen und Einlagen weiterzuverleihen sind zwei verschiedene Dinge.

Ist das Modell des Geldmultiplikators falsch?

Die Frage ist umstritten. Die Bank of England argumentierte 2014, dass die Ursache-Wirkungs-Beziehung andersherum verläuft: Reserven folgen der Kreditvergabe, statt sie vorab zu begrenzen. Mehrere Länder haben ihre Mindestreservepflicht vollständig abgeschafft, ohne dass Banken anschließend unbegrenzt Kredite vergaben. Das stützt diese Sichtweise. Einige Ökonomen verteidigen den Multiplikator dennoch als grobe Näherung.

Verursachen Banken mit der Geldschöpfung Inflation?

Die Kreditvergabe der Banken vergrößert die Geldmenge, und diese kann die Inflation beeinflussen. Der Zusammenhang ist jedoch weder automatisch noch unmittelbar. Inflation hängt außerdem von Angebot, Nachfrage, Erwartungen und Umlaufgeschwindigkeit ab. Wer Bankkredite als alleinige Inflationsursache darstellt, überschätzt die Erklärungskraft dieses Mechanismus.

Wo kann ich Geldschöpfung Schritt für Schritt lernen?

Der Lernpfad „Geldsysteme“ in der Welt „Wirtschaft & Finanzen“ von Astra Trainer umfasst zwanzig Kurse zu genau diesen Themen: von der Herkunft des Geldes bis zur Arbeitsweise der Federal Reserve. Eine Lektion dauert etwa fünf Minuten, und für die erste brauchst du keine Karte. Du kannst dir hier ansehen, was die Welt enthält.

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„Geldsysteme“ ist einer von fünf Lernpfaden in der Welt „Wirtschaft & Finanzen“ – neben Strukturen, Krypto, Märkten und Trusts. Insgesamt erwarten dich fünfundneunzig Kurse. Ein einziger Pass schaltet sie alle frei und öffnet zusätzlich die sechs anderen Welten. Bestehst du die Abschlussprüfung, erhältst du ein verifiziertes Zertifikat mit deinem Namen. Zertifizierte Lernende können außerdem dem Expertennetzwerk beitreten und Fragen anderer beantworten.