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Warum fressen Hunde Kot? Ursachen und was wirklich hilft

James
Dog Behaviorist
Aktualisiert
8 Min. Lesezeit

Es passiert natürlich im ungünstigsten Moment. Du bist gerade in ein Gespräch mit einem Gast vertieft, schaust kurz zur Seite – und dein Hund verspeist seelenruhig etwas, das du lieber nicht näher beschreiben möchtest. Der erste Gedanke gilt meist nicht einmal dem Hund, sondern dir selbst: Was mache ich falsch? Bin ich schuld?

Mit ziemlicher Sicherheit nicht. Koprophagie – so lautet der Fachbegriff für das Fressen von Kot – gehört zu den häufigsten und zugleich am meisten missverstandenen Verhaltensweisen bei Hunden. Sie hat nur sehr wenig damit zu tun, wie gut du deinen Hund fütterst oder erziehst. Verständlicherweise spricht kaum jemand darüber. Deshalb glauben viele Halter stillschweigend, sie seien mit dem Problem allein und mit ihrem Hund müsse etwas ganz und gar nicht stimmen. Beides trifft nicht zu.

Ein Hund schnüffelt aufmerksam und neugierig im Gras eines eingezäunten Gartens bei natürlichem Tageslicht

Warum fressen Hunde Kot?

Weil dahinter ein alter, meist harmloser Instinkt steckt, den Hunde nie vollständig abgelegt haben – nicht etwa ein Mangel bei Fütterung oder Erziehung. Die umfangreichsten Erkenntnisse dazu stammen aus einer großen Befragung von Hundehaltern durch die veterinärmedizinische Fakultät der University of California, Davis unter Leitung des Forschers Benjamin Hart. Demnach tritt das Verhalten bei unterschiedlichsten Rassen, Geschlechtern und Haushalten auf. Es ist so verbreitet, dass es eher als typische hündische Eigenart denn als Warnsignal gelten kann.

Ein Detail aus dieser Untersuchung ist besonders aufschlussreich: Hunde, die Kot fressen, bevorzugen ihn ganz überwiegend frisch, meist nicht älter als ein oder zwei Tage. Dieses Muster passt zu einem von wilden hundeartigen Vorfahren geerbten Instinkt zur Reinhaltung des Baus. Für sie war es vorteilhaft, den Lagerplatz sauber zu halten und keine Duftspuren zu hinterlassen, die Fressfeinde zu einem Wurf schutzloser Welpen führen konnten. Vermutlich besteht das Verhalten bis heute fort, weil es nie einen Grund gab, diesen Instinkt vollständig abzulegen.

Für uns ist dieses Verhalten ekelerregend. Aus Sicht der ererbten Instinkte eines Hundes ist es eher eine Form grundlegender Sauberkeit.

Ist Koprophagie beim Hund normal oder ein Warnsignal?

In den allermeisten Fällen ist sie normal – besonders bei Welpen und in Mehrhundehaushalten, wo das Verhalten häufiger vorkommt, ohne auf ein zugrunde liegendes Problem hinzuweisen. Wenn eine Hündin die Hinterlassenschaften ihrer sehr jungen Welpen beseitigt, ist das vollkommen normales mütterliches Verhalten. Welpen wiederum erkunden ihre Umwelt mit dem Maul und übernehmen diese Gewohnheit manchmal schlicht von ihrer Mutter oder ihren Wurfgeschwistern.

Dieselbe Untersuchung der UC Davis prüfte auch zwei besonders verbreitete Erklärungen: eine unausgewogene Ernährung und den Wunsch nach Aufmerksamkeit beziehungsweise mangelnde Erziehung. Für keine davon fanden sich überzeugende Belege als Hauptursache bei den meisten betroffenen Hunden. Das ist wichtig zu wissen, denn beide Erklärungen lösen bei Haltern schnell Schuldgefühle aus, die wissenschaftlich kaum begründet sind.

Außerdem sollte man zwischen Welpen und erwachsenen Hunden unterscheiden. Bei einem Welpen, der beim Erkunden seiner Umgebung gelegentlich Kot probiert oder das Verhalten seiner Mutter nachahmt, verschwindet die Angewohnheit mit zunehmendem Alter oft ganz von selbst. Ein erwachsener Hund, der dieses Verhalten schon lange und regelmäßig zeigt, ist anders zu beurteilen als ein Welpe in einer vorübergehenden Phase. Ein Grund zur Sorge ist jedoch beides nicht automatisch.

Warum fressen Hunde ausgerechnet Katzenkot?

Weil Katzenkot für Hunde aus einem einfachen ernährungsbedingten Grund tatsächlich besonders anziehend ist: Katzenfutter enthält deutlich mehr Eiweiß und Fett als Hundefutter, und ein nennenswerter Teil davon wird unverdaut ausgeschieden. Für eine Hundenase kann ein Katzenklo deshalb verlockender riechen als fast alles andere im Haus.

Wenn dein Hund vor allem Katzenkot frisst, hat die zuverlässigste Lösung wenig mit Training und viel mit dem Zugang zu tun. Eine geschlossene Katzentoilette, ein Kinderschutzgitter oder ein Standort, den der Hund körperlich nicht erreichen kann, lösen das Problem meist schneller als jeder verhaltensorientierte Ansatz.

Kann die Ernährung Koprophagie verursachen?

Nach aktuellem Forschungsstand ist sie nur selten die Hauptursache, völlig bedeutungslos ist die Ernährung jedoch nicht. Schwer verdauliches oder unausgewogenes Futter kann bei manchen Hunden dazu führen, dass mehr unverdaute Nährstoffe im Kot verbleiben. Theoretisch macht ihn das attraktiver. Laut den Befragungsdaten kommt diese Ursache jedoch deutlich seltener vor, als häufig behauptet wird.

Eine konkretere Rolle spielt die Ernährung beim Ausschluss möglicher Ursachen. Erhält ein Hund Futter, das zu seinem Lebensabschnitt, seinem Aktivitätsniveau und möglichen Verdauungsempfindlichkeiten passt, ist es weniger wahrscheinlich, dass sein Kot aus ernährungsbedingten Gründen ungewöhnlich anziehend ist. Außerdem ist es ausgesprochen hilfreich, das normale Aussehen des Hundekots zu kennen, um Verdauungsprobleme frühzeitig zu erkennen.

Ein leerer, sauberer Futter- und Wassernapf auf einem Küchenboden im Morgenlicht

Was hilft, wenn der Hund Kot frisst?

Den Kot sofort zu entfernen, ist die zuverlässigste und am besten belegte Maßnahme. Gibt es keine Gelegenheit, kann das Verhalten nicht auftreten – unabhängig von seiner Ursache. Darüber hinaus helfen folgende Schritte:

  • Begrenze den Zugang, statt dich nur auf Training zu verlassen. Entferne Kot im Garten zügig, beaufsichtige deinen Hund draußen und verhindere den Zugang zu Katzentoiletten. So setzt du direkt am Verhalten an, statt zu versuchen, deinem Hund einen alten Instinkt abzutrainieren.
  • Sorge für mehr geistige Auslastung. Langeweile kann bei manchen Hunden eine Rolle spielen. Mehr Beschäftigung durch Spaziergänge, Futterpuzzles und gemeinsames, strukturiertes Spielen schadet praktisch nie und kann das Verhalten verbessern.
  • Sei bei Mitteln zur Geschmacksveränderung skeptisch. Verschiedene Ergänzungs- und Futtermittel sollen den Kot unappetitlicher machen. Für die meisten davon gibt es nur schwache Belege, und die Ergebnisse fallen sehr unterschiedlich aus. Zugangsmanagement und schnelles Entfernen bleiben verlässlicher.
  • Bestrafe deinen Hund nicht nachträglich. Wie bei den meisten Verhaltensweisen kann ein Hund eine deutlich spätere Korrektur nicht sinnvoll mit der vorausgegangenen Handlung verknüpfen. Die Strafe erzeugt daher vor allem Stress, ohne etwas zu verändern.

Wann ist Koprophagie ein medizinisches Warnsignal?

Wenn ein erwachsener Hund ohne entsprechende Vorgeschichte plötzlich damit beginnt oder weitere Symptome wie Gewichtsverlust, veränderter Appetit oder sichtbar auffälliger Kot hinzukommen, solltest du eine Tierarztpraxis aufsuchen, statt von der üblichen harmlosen Variante auszugehen.

In selteneren Fällen kann Koprophagie mit einem echten Verdauungsproblem zusammenhängen, etwa mit Erkrankungen, die die Nährstoffaufnahme beeinträchtigen, mit Parasiten oder einem Enzymmangel. Beim Fressen des Kots anderer Tiere können außerdem Darmparasiten übertragen werden. Auch aus gesundheitlichen Gründen solltest du Hinterlassenschaften daher möglichst schnell entfernen.

Was du jetzt tun kannst

Bei der überwältigenden Mehrheit der Hunde ist Koprophagie ein alter Instinkt, der aus heutiger Sicht einfach ziemlich eklig wirkt – kein Hinweis auf einen Nährstoffmangel oder einen Erziehungsfehler. Verhindere möglichst den Zugang, achte auf die selteneren Warnzeichen und mach dir keine Vorwürfe. Dieses Verhalten sagt wirklich nichts darüber aus, wie gut du dich um deinen Hund kümmerst.

Zu verstehen, was Verdauung und Kot über die Gesundheit deines Hundes verraten, ist weit über dieses Verhalten hinaus nützlich. Wenn du mehr über passende Futtermengen und eine ausgewogene Fütterung erfahren möchtest, lies als Nächstes unseren ausführlichen Ratgeber zu den Grundlagen der Hundeernährung.

Häufig gestellte Fragen
Warum frisst mein Hund Kot?

Dahinter steckt meist ein alter, harmloser Instinkt zur Reinhaltung des Lagerplatzes, den Hunde von ihren wilden Vorfahren geerbt haben – kein Hinweis auf schlechte Ernährung oder Erziehung. Große Untersuchungen zeigen, dass das Verhalten bei vielen verschiedenen Hunden vorkommt und vor allem frischer Kot bevorzugt wird.

Ist es normal, wenn ein Hund Kot frisst?

In den meisten Fällen ja, besonders bei Welpen und in Mehrhundehaushalten. Untersuchungen liefern nur wenig Unterstützung für die verbreitete Annahme, dass Nährstoffmangel oder der Wunsch nach Aufmerksamkeit die Hauptursachen seien.

Warum frisst mein Hund Katzenkot aus dem Katzenklo?

Katzenfutter enthält deutlich mehr Eiweiß und Fett als Hundefutter. Ein Teil davon wird unverdaut ausgeschieden, wodurch Katzenkot für eine Hundenase besonders interessant riecht. Am zuverlässigsten hilft es, den Zugang zur Katzentoilette zu verhindern.

Was kann ich tun, wenn mein Hund Kot frisst?

Entferne Kot möglichst sofort, denn ohne Gelegenheit kann das Verhalten nicht auftreten. Begrenze den Zugang, sorge für ausreichend geistige Beschäftigung und vermeide nachträgliche Bestrafungen. Für Mittel, die den Geschmack des Kots verändern sollen, gibt es nur schwache Belege.

Wann sollte ich wegen Koprophagie zum Tierarzt?

Ein Tierarztbesuch ist ratsam, wenn ein erwachsener Hund plötzlich Kot frisst, obwohl er das zuvor nie getan hat, oder wenn Gewichtsverlust, Appetitveränderungen oder auffälliger Kot hinzukommen. Seltener können Parasiten, Verdauungsstörungen oder ein Enzymmangel dahinterstecken.

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